Pflicht zum Widerrufsbutton ab 2026 – neue Informationspflichten im Onlinehandel
Das Verbraucherrecht in Deutschland steht vor einer weiteren umfassenden Reform. Der aktuelle Referentenentwurf der Regierung eines Gesetzes zur Änderung des Verbrauchervertrags- und Versicherungsvertragsrechts befindet sich derzeit im Gesetzgebungsverfahren und muss noch vom Bundestag beschlossen und vom Bundesrat gebilligt werden.
Mit der Umsetzung der EU-Richtlinien (EU) 2023/2673 und (EU) 2024/825 werden die Mitgliedstaaten verpflichtet, die erforderlichen Vorschriften bis spätestens 19. Dezember 2025 zu erlassen und zu veröffentlichen, damit sie ab dem 19. Juni 2026 in der gesamten Europäischen Union angewendet werden können.
Ziel der Neuregelungen ist eine europaweit einheitliche, digitale und verbraucherfreundliche Gestaltung des Widerrufsrechts. Für Onlinehändler bedeutet das tiefgreifende technische und organisatorische Anpassungen: Der elektronische Widerrufsbutton (häufig schlicht als „Button“ bezeichnet) wird verbindlich eingeführt, und gleichzeitig treten neue Informationspflichten zu Nachhaltigkeits- und Produktmerkmalen hinzu.
Auch wenn das Gesetzgebungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist, sollten Unternehmen bereits jetzt mit der Vorbereitung beginnen. Die erforderlichen Anpassungen an Shopsystemen, Vertragsprozessen und Informationsstrukturen sind komplex und benötigen ausreichend Vorlaufzeit, um bis Mitte 2026 rechtssicher umgesetzt zu werden.
Das Wichtigste in Kürze
Lesezeit: ca. 5 Minuten
- Ab dem 19. Juni 2026 müssen Onlinehändler und Plattformbetreiber eine elektronische Widerrufsfunktion („Widerrufsbutton“) bereitstellen. Rechtsgrundlage ist der neue § 356a BGB.
- Der Widerruf erfolgt künftig zweistufig über die Schaltflächen „Vertrag widerrufen“ und „Widerruf bestätigen“, wobei die Beschriftung eindeutig sein muss. Der Unternehmer bestätigt den Eingang unverzüglich auf einem dauerhaften Datenträger.
- Die gesetzliche Widerrufsbelehrung nach Art. 246a § 1 Abs. 2 EGBGB und Anlage 1 muss angepasst werden, da sie künftig auf die elektronische Widerrufsmöglichkeit hinweisen muss.
- Verstöße gegen die Verpflichtung, den Widerrufsbutton bereitzustellen, können als Ordnungswidrigkeit gemäß § 7 UWG-E mit bis zu 50.000 Euro bzw. bei großen Unternehmen mit bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes geahndet werden.
- Ab dem 27. September 2026 erweitern sich die Informationspflichten im Fernabsatz nach Art. 246a § 1 Abs. 1 EGBGB, insbesondere zu Gewährleistung, Haltbarkeitsgarantien, Softwareaktualisierungen, Reparierbarkeit und umweltfreundlichen Lieferoptionen.
- Die Regelungen betreffen sämtliche Fernabsatzverträge, einschließlich digitaler Inhalte, digitaler Dienstleistungen und Waren mit digitalen Elementen.
- Unternehmen müssen digitale Vertragsstrecken, Widerrufsprozesse, Produktinformationen, Datenschutzhinweise und interne Compliance-Strukturen umfassend anpassen, um ein rechtssicheres Anbieten ihrer Leistungen sicherzustellen und somit Bußgelder und Abmahnungen zu vermeiden.
Hintergrund der Neuregelung
Mit den neuen Richtlinien will die EU Verbraucherinnen und Verbraucher befähigen, digitale Verträge einfacher zu widerrufen und informierte Kaufentscheidungen zu treffen. Der deutsche Gesetzgeber setzt diese Vorgaben durch Änderungen im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) und im Einführungsgesetz zum BGB (EGBGB) um.
Kernstück ist der neue § 356a BGB, der für Online-Fernabsatzverträge eine elektronische Widerrufsfunktion vorschreibt. Parallel werden die vorvertraglichen Informationspflichten umfassend erweitert, um Transparenz über Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Software-Updates zu schaffen.
- 356a BGB – Der elektronische Widerrufsbutton
Ab dem 19. Juni 2026 müssen Unternehmer bei allen online geschlossenen Fernabsatzverträgen sicherstellen, dass Verbraucher ihren Vertrag über eine klar beschriftete Schaltfläche widerrufen können. Die Formulierung der Beschriftung der Schaltfläche muss eindeutig sein („Vertrag widerrufen“).
Diese Widerrufsfunktion muss während der gesamten Widerrufsfrist sichtbar, leicht zugänglich und dauerhaft verfügbar sein – etwa über den Footer oder das Kundenkonto, ohne Login-Pflicht. Nach Betätigung der Schaltfläche gibt der Verbraucher die erforderlichen Daten (Name, Vertragsidentifikation, Kommunikationsweg) ein und kann den Widerruf über eine zweite Schaltfläche („Widerruf bestätigen“) abschließen, wodurch eine elektronische Widerrufserklärung rechtswirksam abgegeben wird. Diese Ausgestaltung knüpft bewusst an die Erfahrungen mit dem bereits etablierten Kündigungsbutton aus § 312k BGB an.
Der Unternehmer ist verpflichtet, unverzüglich eine Eingangsbestätigung mit Datum, Uhrzeit und Inhalt des Widerrufs auf einem dauerhaften Datenträger – etwa per E-Mail – zu übermitteln. Der Widerruf gilt als fristgerecht, wenn die Erklärung über die elektronische Funktion abgesendet wurde.
Die Regelung gilt nicht nur für den Warenkauf, sondern auch für digitale Dienstleistungen, Finanzdienstleistungen und Versicherungsverträge, sofern sie über eine Online-Benutzeroberfläche abgeschlossen werden.
Inhaltsverzeichnis
Pflicht zum Widerrufsbutton ab 2026 – neue Informationspflichten im Onlinehandel
Neue Informationspflichten nach der Richtlinie (EU) 2024/825
Neue Informationspflichten nach der Richtlinie (EU) 2024/825
Neben dem Widerrufsbutton treten ab dem 27. September 2026 zusätzliche Informationspflichten in Kraft. Unternehmer müssen Verbraucher künftig vor Vertragsschluss über folgende Punkte informieren:
- Haltbarkeit eines Produkts,
- Reparierbarkeit und verfügbare Ersatzteile,
- Verfügbarkeit von Software-Updates bei digitalen Produkten,
- gewerbliche Haltbarkeitsgarantien und ggf. umweltbezogene Angaben.
Ziel ist eine transparente und nachhaltigkeitsorientierte Kaufentscheidung. Die neuen Pflichten sind Teil eines umfassenden EU-Pakets gegen Greenwashing und irreführende Nachhaltigkeitsaussagen.
Diese Angaben müssen künftig gut sichtbar in Online-Shops und auf Produktseiten integriert werden – etwa im unmittelbaren Zusammenhang mit der Preis- oder Produktbeschreibung.
Für Händler bedeutet dies, Produkt- und Systeminformationen strukturell so aufzubereiten, dass sämtliche Pflichtangaben eindeutig und leicht auffindbar eingebettet werden. Dies gilt auch für digitale Produkte, bei denen Angaben zu Update-Intervallen und Kompatibilität künftig eine erhebliche Rolle spielen.
Sanktionen bei Verstößen
Wer den Widerrufsbutton nicht anbietet oder die gesetzlichen Vorgaben zur elektronischen Widerrufsfunktion verletzt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.
Es drohen Bußgelder von bis zu 50.000 Euro oder – bei großen Unternehmen – bis zu 4 % des unionsweiten Jahresumsatzes.
Die Durchsetzung erfolgt durch die zuständigen Marktüberwachungs- und Verbraucherschutzbehörden, insbesondere das Bundesamt für Justiz. Auch grenzüberschreitende Verfahren nach der Verordnung (EU) 2017/2394 sind vorgesehen. Damit sollen die neuen Verbraucherrechte europaweit einheitlich und effektiv durchgesetzt werden.
Handlungsbedarf für Unternehmen
Unternehmen, die Online-Verträge anbieten oder digitale Plattformen betreiben, sollten ihre Prozesse spätestens 2025 an die neuen Anforderungen anpassen. Dazu gehören:
- Technische Implementierung des Widerrufsbuttons und der Bestätigungsfunktion,
- Benutzerfreundliche Gestaltung dieser Bestätigungsseite,
- Überarbeitung der Widerrufsbelehrung und AGB,
- Integration der neuen Informationspflichten in Bestell-, Produkt- und Checkout-Seiten,
- Prüfung automatisierter Bestätigungsprozesse und Archivierungspflichten,
- Anpassung interner Datenschutz- und Compliance-Prozesse, insbesondere beim Versand der elektronischen Widerrufsbestätigung.
Für Betreiber gängiger Shopsysteme (Shopify, WooCommerce, Magento) sowie App-basierter Abo-Modelle wird eine Anpassung der Benutzeroberfläche erforderlich sein. Wichtig ist, dass die Funktion leicht zugänglich ist und keine Registrierung voraussetzt.
Unternehmen, die bereits einen Kündigungsbutton integriert haben, können teilweise auf bestehende UX-Strukturen zurückgreifen.
Fazit: Jetzt Vorbereitungen treffen
Ab Juni 2026 wird der Widerrufsbutton zum verbindlichen Standard im europäischen Onlinehandel. Unternehmen sollten die technischen und rechtlichen Voraussetzungen frühzeitig umsetzen, um rechtssicher zu bleiben und Bußgelder zu vermeiden.
BTL Rechtsanwälte unterstützen Sie bei der rechtssicheren Umsetzung der neuen Verbraucherrechte – von der Gestaltung der elektronischen Widerrufsfunktion über die Anpassung Ihrer Informationspflichten bis zur Überprüfung der Vertragsdokumentation.
So stellen Sie sicher, dass Ihr Online-Geschäft den neuen gesetzlichen Anforderungen entspricht und das Vertrauen Ihrer Kundinnen und Kunden gestärkt wird.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wann tritt die Pflicht zum Widerrufsbutton in Kraft?
Die Pflicht gilt ab dem 19. Juni 2026 (§ 356a BGB).
Wie muss der Widerrufsbutton beschriftet sein?
Erforderlich ist die Bezeichnung „Vertrag widerrufen“ oder eine Formulierung gleicher Eindeutigkeit.
Ist der Widerrufsbutton auch bei digitalen Inhalten oder SaaS-Diensten erforderlich?
Ja. Die Regelung erfasst sämtliche Verbraucherverträge im elektronischen Geschäftsverkehr, einschließlich digitaler Inhalte, digitaler Dienstleistungen und SaaS-Modelle.
Welche rechtliche Bedeutung hat die zweistufige Ausgestaltung?
Der Widerruf wird erst durch Aktivierung des zweiten Buttons „Widerruf bestätigen“ wirksam (§ 356a Abs. 2 BGB-E).
Welche Folgen hat eine unterlassene Bestätigung des Widerrufs?
Unternehmer sind verpflichtet, den Eingang unverzüglich auf einem dauerhaften Datenträger zu bestätigen. Eine fehlende Bestätigung kann zu Rechtsunsicherheiten und ?– bei systematischem Verstoß ?– zu Bußgeldern führen.
Welche neuen Informationspflichten gelten ab dem 27. September 2026?
Zu nennen sind insbesondere erweiterte Vorgaben zu Gewährleistungsrechten, Haltbarkeitsgarantien, Reparaturmöglichkeiten (§§ 475b, 475c BGB), Softwareaktualisierungen und nachhaltigen Lieferoptionen (Art. 246a § 1 Abs. 1 EGBGB).
Gilt weiterhin die verlängerte Widerrufsfrist bei fehlenden Informationen?
Ja. § 356 Abs. 3 BGB bleibt unverändert anwendbar.
Was sollten Unternehmen jetzt tun?
Unternehmen sollten ihre Shop-Systeme, digitalen Vertragsstrecken, Produktinformationen und Datenschutzhinweise überprüfen und ein technisches Implementierungsprojekt für den Widerrufsbutton starten. Eine frühzeitige Abstimmung zwischen Recht, IT und Produktmanagement ist empfehlenswert.